Stress und Stresserkrankungen

Dauerstress als Krankheitsursache - owi open way institute
Wenn Stress zur Krankheitsursache wird.

STRESS IST NORMAL  -  Stress gehört zum Alltag wie der Stau zur Autobahn. Dass man einen «Megastress» hat, gehört schon zum guten Ton. Wer ihn nicht hat, der wird nicht gefordert oder gibt nicht sein Bestes. Was aber ist Stress?

■ von ALBERT HILTEBRAND

Dauerstress ein Grund zur VeränderungI

Stress ist eine normale Reaktion von Körper und Psyche auf Einflüsse, die nicht mit unserem «Programm» übereinstimmen. Es ist uns zu kalt, zu warm, wir reagieren auf diese Abweichung. Hormone wie Adrenalin werden ausgeschüttet, die Atem- und Herzschlagfrequenz erhöht sich, die Muskulatur wird stärker durchblutet und die Aufmerksamkeit wird verstärkt. Die Reaktion ist so alt wie die Menschheit. Im Stammhirn sind die Reaktionsmuster «Kampf oder Flucht» seit Urzeiten verankert. Was geschieht heute? Es kommt in der Regel nicht zum «erwarteten» körperlichen Effort, die stressbedingten Botenstoffe werden da- durch nicht auf «natürliche» Art wieder abgebaut. Wissenschaftliche Studien sprechen von Auswirkungen wie: Schwächung des Immunsystems, der Auslösung von Depressionen, Spannungszuständen, Bildung von Bluthochdruck mit der Folge von Arteriosklerose und Herzkrankheiten.Im Team zu arbeiten, funktioniert nicht immer problemlos. Aber wie viel «versteckte Reibung» darf eigentlich sein?

Stress ist individuell, die Stressoren (auslösende Faktoren) sind bei jedem Menschen unterschiedlich gelagert. Die Aussage: «Stress beginnt im Kopf», hat eine tiefe Wahrheit. Es gibt keinen allgemeingültigen Massstab für das, was der Einzelne als Stress empfindet. Für viele wirkt Stress in kleiner Dosis beflügelnd. Gewöhnlich versteht man unter Stress eine Situation, die sich auf Dauer zermürbend auswirkt, den Dauerstress. Die Ursachen liegen in der Person wie auch in den Umwelteinflüssen. Primär interessiert uns in diesem Zusammenhang die Persönlichkeitsstruktur mit ihren Wahrnehmungen und Interpretati- onen sowie den damit verbundenen Verhaltensmustern.


Das Charakterprofil eines Typus zeigt, wo die Ursachen für das mögliche Stressverhalten zu suchen sind. Drei Beispiele: Typ 1: Der/die «Helfer- In» kann nicht nein sagen und lässt sich von allen Arbeiten und Pflichten aufbürden. Braucht jemand Hilfe, fühlt er/sie sich sofort zum Helfen aufgefordert. Typ 2: Der/die MacherIn ist auf Image und Erfolg ausgerichtet, immer auf Trab, kennt keine Grenzen und visiert schon das nächste Ziel an, kaum hat sie/er eines erreicht. Typ 3: Der/dem Perfektionistin/en ist es nie gut genug. Er/sie kann deshalb nicht loslassen, delegieren, wird spät oder nie fertig. Niemand kann es ihm/ihr richtig machen.

Das Übel an der Wurzel packen
Was kann man tun, um sich vor Dauerstress zu schützen? Worin besteht ein geeigneter sowie praktikabler Ansatz? Obwohl Stress ein Massen- phänomen ist, helfen zur dessen Bewältigung generelle Konzepte wenig. Sollen die Massnahmen von anhaltendem Nutzen sein, ist ein ganzheit- liches Vorgehen notwendig. Fragestellungen wie: «Bin ich am richtigen Arbeitsplatz?», «Ist meine Partnerschaft in Ordnung?», «Stolpere ich regel- mässig über meine typischen Verhaltensmuster?», dürfen keinesfalls ausgeklammert werden. Wer nicht wie Sisyphus die Kugel immer wieder von Neuem den Berg hinauf schieben möchte, das heisst seine Stresssymptome dauernd mittels Entspannungsübungen, Tabletten erträglich machen will, muss bei den Ursachen ansetzen. Ein Lösungsansatz: Erstellen eines individuellen Stressprofils in Bezug auf Charaktertyp und Umfeld. Bildung von Massnahmen mit den Zielen zur Vorbeugung, Reduzierung, Vermeidung, Erhöhung der Stressresistenz.Umsetzen in Schritten (auch als begleitenden Prozess).


Albert Hiltebrand, Leiter owi open way institute - winterthur

Die Veränderungen können je nach Situation aus «organisatorischen» Massnahmen, der Neuorientierung der eigenen Wahrnehmung, der Veränderung bestehender Verhaltensmustern bestehen. Beispiele zur Stressredu­zierung bei Unternehmen: Jobbeschreibung mit Pflichten­heft, klare Kompetenzregelungen, offene Kommuni­kationskultur, Coaching, gesteuerte Verteilung des Workloads, Monitoring des Arbeitsplatzklimas, … .

 

Im Privaten: offene Kommunikation in der Familie, «Streitkultur», gute Aufgabenteilung, Selbst- und Zeitmanagement, körperliche Bewegung, … . Voraussetzung ist und bleibt aber grundsätzlich die Bereitschaft und der Wille zur Veränderung, mit dem Ziel, gesund zu bleibee.

Dieser Artikel erschien am Samstag, 26. Oktober 2002 in den folgenden Organen: Der Landbote, Der Zürcher Oberländer, Anzeiger von Uster, Thurgauer Nachrich­ten und Zürichseezeitung.

Zurück